Eastern European Collectors
Knoll Galéria Budapest

 

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Jenseits des gesellschaftlichen Horizonts? – Mythisches, Magisches und Spirituelles in der Malerei in Zeit des Wandels

Imre Bak: Magier, 1990 Acryl, Leinwand, 30x40 cm

14. Mai – 11. Juli 2026

Eröffnung: 14. Mai 2026, 19 Uhr


Künstler: 

Imre Bak, István Bodóczky, László Mulasics, Tamás Soós 

Der nächste Teil unserer Ausstellungsreihe, der uns die ungarische Malerei der späten 80er und frühen 90er Jahre anhand von Werken näherbringt, die dem heimischen Publikum kaum bekannt sind, da sie direkt aus den Ateliers ins Ausland gelangten, kann zu einem tieferen Verständnis dieser Epoche beitragen. 


Die „Neue Sensibilität“, ein prägendes Phänomen der ersten Phase der ungarischen Malerei der 1980er Jahre, erlangte große Bekanntheit; im Rückblick beschrieb der Kunsthistoriker Lóránd Hegyi sie 1987 als drei prägende, miteinander verbundene Tendenzen.
Er bezeichnete Werke, die die Kulturgeschichte und die antiken Mythologien aufgreifen und auf imaginäre Riten und Mythen verweisen, die vor der Geschichte zu liegen scheinen, als „individuelle Mythologien“. Mit dem Begriff „Neue Malerei“ bezeichnete er die neoexpressionistischen, abstrakten und figurativen Strömungen, wobei er als historischen Hintergrund die „heftige Malerei“ definierte, während er als Vorläufer der Postgeometrie auf den Konstruktivismus verwies, der eine prägende Denk- und Schaffensweise der Avantgarde war und zum Synonym für radikale Bestrebungen wurde.


Und obwohl diese Formen des künstlerischen Ausdrucks auch in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts fortbestanden, veränderte sich doch die Kunstauffassung, und wie Hegyi in seinem Beitrag im von der Galerie herausgegebenen Band „Zweite Öffentlichkeit“ anmerkt, tauchen in den Werken vieler Künstler tief intellektuelle Überlegungen, philosophische und metaphysische Inhalte und sogar emotionale Reaktionen.



Die ausgestellten Werke spiegeln diese Erfahrung wider. Tamás Soós’ Mythologische Landschaft ist auch eine Darstellung des „geistigen Raums“ (nach Wilfried Skreiner) und verweist zugleich auf einen transzendenten Horizont. Auch die aus fast monochromen Flächen und einfachsten Formen gestalteten Kompositionen von László Mulasics wirken wie Visionen, vermitteln ein Gefühl der Zeitlosigkeit und lassen eine neue Sichtweise erkennen. Auch das Werk von István Bodóczky verweist durch ein System geometrischer Formen auf den Kosmos und definiert diesen zugleich als Raum der Wissenschaft und der Spiritualität. Imre Bak arbeitet gleichzeitig mit Formen, die Anklänge an den Art déco, den Hard-Age-Stil und symbolische Formen aufweisen. Er brachte die Vielschichtigkeit der letzteren sowohl mit alten Kulturen als auch mit dem Poststrukturalismus in Verbindung, doch diese Denkweise stellte die Beständigkeit der Zeichen in Frage und führte so zu einer ironischen Neuinterpretation der abstrakten Formen.


In einer Zeit, in der sich neue gesellschaftliche Narrative herausbildeten, kam in der Kunst das Bedürfnis nach den weiter gefassten Dimensionen zum Ausdruck, die im Alltag fehlten – dem Transzendenten und dem Spirituellen. Das Ziel der „Wiederbelebung“ und Rekonstruktion der imaginären Mythen und Rituale früherer europäischer Kulturen besteht darin, neue Praktiken zu entwickeln, die der Gestaltung der Gegenwart einen breiteren Horizont eröffnen. Um Hegyit zu zitieren: „In dieser neuen Vision sind archetypische Motive und – politik- und kunsthistorische – Fakten untrennbar miteinander verwoben.“

Diese scheinbar unpolitische Haltung bedeutete also nicht unbedingt eine ablehnende Haltung gegenüber den Ereignissen im öffentlichen Leben. Der breitere gesellschaftliche Diskurs bot den Künstlern in den Jahren des Umbruchs die Möglichkeit, in einer anderen Rolle zu arbeiten, kulturhistorische Perspektiven poetisch darzustellen und sich jenseits der alltäglichen Debatten und der aktuellen Dialektik dem metaphysischen Denken zuzuwenden. In dem Kontext der Privatsammlung, aus dem die ausgestellten Werke stammen, deuten mehrere Werke darauf hin, mit Humor.