Kritik/Media:
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Unsterstüzt von Nationalen Kulturstiftung
07. Okt. – 28. Nov. 2026
Eröffnung:
07 Oktober, 2026., 7 Uhr
Teilnehmende KünstlerInnen:
Mária Chilf (HU), Mara Mattuschka (AT), Tilda Garancsi (HU), Csaba Nemes (HU), Lázár Todoroff (HU), András J. Nagy (HU)
Kuratiert von Erzsébet Pilinger
Sich frei im offenen Raum zu bewegen, ist eine außergewöhnliche Erfahrung - und ob sie nun durch einen gesicherten sozialen Status ermöglicht wird oder ob sie das Ergebnis eines Mangels, eines Zwangs ist, sie ist immer vom Wunsch nach Freiheit inspiriert und kann ein Weg der Befreiung, ja sogar der Flucht sein.
Gehen, Wandern und Spazierengehen - Grundformen der Bewegung - sind zu einem kulturellen Topos geworden, aber wenn wir ihre vorherrschenden Formen und gegenwärtigen Praktiken betrachten, können wir erkennen, was unsere schwieriger gewordene Gegenwart und unsere Zukunftsaussichten bestimmt.
Wer zu schreiten beginnt, erlebt und zugleich präsentiert seine eigene Anwesenheit. Aber man kann gleichzeitig auch das Gefühl der Abwesenheit erfahren, indem man sich von den Orten des alltäglichen Zwanges entfernt oder so gegen die Formen des Zwangs vorgeht. Aber nicht nur die Demonstranten und Teilnehmer von Umzügen können ihre Handlungsfähigkeit erleben, sondern auch einfache Spaziergänger, Wanderer, Pilger, aber auch die Flüchtenden.
Beim Vorankommen erfassen sie den Raum durch die Bewegung ihres Körpers auf direkte, sinnliche Weise und gleichzeitig ihre eigene Leistungsfähigkeit. So wird die Landschaft ein Ort intensiver körperlicher und zu gleicher Zeit geistiger Erfahrungen, und der Wanderer erlebt Selbstreflexion. Das Gehen selbst und die Sehnsucht nach offenen Räumen stärken also so die Identität.
Beim Spazieren erleben wir die Landschaft so als „anderswo“ - auch wenn es ein wohlbekannter Ort ist - und plötzlich wird sie befreiend und zugleich beruhigend. Die Kontinuität der Bewegung und der Übergangscharakter der Position schaffen - paradoxerweise zusammen - Stabilität. Für den Körper, der so seinen Rhythmus findet, und den entspannten Geist, der sich Zeit und Raum hingibt, können die bisher unfassbaren Dinge verständlich und die Geheimnisse lösbar werden. Auf die Möglichkeiten dieses Zustands bezog Augustinus sich mit dem Ausdruck „solvitur ambulando“ d.h.: „durch Gehen zu lösen“ und so ist es eindeutig, warum das Gehen früher auch für die antiken griechischen Philosophen zu einer Gelegenheit des Nachdenkens und des Teilens von Wissen wurde.
Aber das Gehen kann nicht nur ein Akt der Erkenntnis, sondern auch der Erneuerung sein, denn beim Durchqueren eines Gebiets können wir durch wissenschaftliche und ökologische Erfahrungen zur Veränderung beitragen.
Während diejenigen, die durch den Klimawandel mit anderen Lebensformen zur Symbiose gezwungen sind, können die in der Natur verursachten Veränderungen in immer beweglichen Gemeinschaften überleben. Die Landschaft selbst kann im Zusammenhang mit großen Märschen zu einem öffentlichen Ort werden, und auch die ländliche Gegend kann - jenseits städtischer Landschaft - mit dieser Bedeutung erfüllt werden.
Die Möglichkeiten der Freiheit und des Heils blitzen auf diese Weise auf, und gleichzeitig können wir nicht nur durch das Gehen und Leben in großen Räumen das Gefühl des Gefangenseins oder der Blockiertheit loswerden. Gleichzeitig geht die Erkundung des Raumes, den wir bereist und erlebt haben zusammen mit dem Gefühl, dass wir "zu Hause" sein oder ein Heim in der Welt finden können, d.h. mit einer metaphysischen Erfahrung - der Erfüllung der Präsenz.
Vielen Dank an Márton Sóti