Eastern European Collectors
Knoll Galéria Budapest

 

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Támogató: NKA

Die Pflanzen und wir – oder die Perspektiven des Plantropozäns

Levente Korossy-Khayll: Subsistence IV., 2024, oil, canvas, 60x80 cm

23. Juli – 30. September 2026

Eröffnung: 23. Juli 2026, 19 Uhr

Teilnehmende KünstlerInnen:
Paul Horn-Lotte Lyon (AT), Mariann Fercsik (HU-GB), Kamilla Szeli (HU), Levente Korossy-Khaill (HU), conceptual drive-by (eden_jeneses und Omon Wynfryh)  (HU)


Der Duft und die Schönheit der Blumen bringen viele von uns zum Schwärmen, und oft drücken wir unsere Gefühle ebenfalls mit Blumen aus, sowohl im Alltag als auch beim Feiern oder Abschiednehmen.

Aber unsere Beziehung zu Pflanzen ist weiter gefasst und vielschichtiger, und in vielerlei Hinsicht bestimmen die Pflanzen unser Leben. Sie können Lebensmittel, Medikamente, Treibstoff, Rohstoffe für die Herstellung von Gegenständen oder sogar Substanzen sein, die für rituelle und spirituelle Praktiken verwendet werden. Ihre Nähe kann Ruhe bringen und sogar unsere psychische Heilung unterstützen. Es ist schwer vorstellbar, dass wir ohne sie existieren könnten.
 
Aber in dieser Beziehung ist meistens trotzdem der Mensch die dominante Seite. Der Mensch ist derjenige, der - getrieben von Nahrungsbedarf oder Begierden - Pläne macht und sie auch verwirklicht, indem er Gärten anlegt, landwirtschaftliche Tätigkeiten ausführt, Wälder pflanzt oder Bäume fällt und sich mit Wasserpflanzen beschäftigt. Der Mensch pflegt, schützt und vermehrt Pflanzen seit Urzeiten, sammelt und sät Samen, bestäubt oder befreit sie von Schädlingen, unabhängig davon, ob seine Ziele praktischer oder kultischer Natur sind.

Laut der Anthropologin Debbora Battaglia‚ “erschaffen wir ganze Welten, die sich um Pflanzen drehen, und in denen Menschen sowie die von ihnen genutzten Techniken, Technologien und magischen Tätigkeiten in den spiralförmigen Strudel der pflanzlichen Existenz einfließen." 
Der Garten ist einer dieser Orte, der Garten – der sich zu einer kulturellen Form entwickelt und auch auf soziale Positionen hinweist – deutet auch unsere Vorstellungen und Ideale von der ganzen Welt an. Gärten können aber auch wissenschaftlichen Zwecken dienen. Botanische Gärten ermöglichen die Kenntnis von Arten durch die Methode der Klassifizierung und durch das Schaffen von Laborbedingungen. Sie können nicht nur Informationen darüber liefern, wie exotische oder gerade entdeckte Pflanzen genutzt werden können, sondern auch zu ihrem Fortbestand beitragen. Vertikale Gärten schützen nicht nur vor Hitze, sondern bieten Insekten auch Raum und Nahrung.
 
Doch Pflanzen beziehen in ihren Lebensrhythmen auch ganze Ökologien anderer Lebewesen ein, Insekten, Vögel, Mikroorganismen und eine schaffen wechselseitige Beziehungen, die zu ihren Überleben und ihrer Fruchtbarkeit beitragen. Forschungen zeigen jedoch, dass der Mensch unter allen anderen Lebewesen am besten geeignet ist, auf ihre Bedürfnisse zu reagieren.

Aber ihre Lebensweise, ihre Fähigkeit zur Zusammenarbeit, zur Mimikry und zur Erneuerung kann auch für uns wichtige Erkenntnisse bringen. Das Wissen über in der Vergangenheit ausgestorbene Arten kann helfen, uns selbst besser zu verstehen und frühere Fehler zu vermeiden, während die Ergebnisse von Forschungen über Beweise für pflanzliche Wahrnehmung bei heute lebenden Arten Lösungen für die aktuellen Krisen liefern könnten.

Wenn wir also allem seinen Raum geben und – die Sichtweise des botanischen Imperialismus hinter uns lassend – die Bedürfnisse der Pflanzen auch auf größere Flächen hin akzeptieren. Und da die Rolle pflanzlicher Systeme im Wasserkreislauf und dessen Erhalt entscheidend ist und zudem der Schatten von Bäumen und Sträuchern direkten Schutz bietet, kann ein Zusammenleben, das die Bedürfnisse der Pflanzen anerkennt, auch für uns Menschen die Möglichkeit einer weniger unsicheren Zukunft eröffnen.

Wenn wir statt der kapitalozänischen Praktiken und Rhythmen, die natürliche Wesen wie Pflanzen und Boden ausnutzen und zerstören, lernen, wie wir uns ins Leben der Pflanzen einbringen können, und Empathie zu einem entscheidenden Teil unserer Beziehungen wird, könnte das die Chance für den Beginn einer neuen Ära sein.
Mit Natasha Myers Ausdruck gesprochen ist dies das Plantropozän. Ihre Vorstellung ist nicht nur zeitlich, sondern bezeichnet eher das Beziehungsgefüge, in dem für jedes Lebewesen neue Perspektiven entstehen können.

Die in unserer Ausstellung gezeigten Werke verweisen auf die Potenziale des Denkens und Handelns im Zusammenhang mit Pflanzen.